21.04.2026

Schülerinnen arbeiten zur NS-Geschichte in Reken

Artikel in der Borkener Zeitung über die Recherche von Julia Janke und Mia Bokeloh.

Artikel in der BZ vom 7. April 2026

 

Die beiden Schülerinnen Mia Bokeloh und Julia Janke haben zum Leben von Menschen geforscht, die in Reken Opfer des Nationalsozialismus wurden. Im Mittelpunkt ihrer Recherchen stand zum Beispiel Theodor Dornhege. Sie möchten für diese Einzelschicksale Stolpersteine verlegen lassen.

 

Julia Janke (links) und Mia Bokeloh haben sich in ihrer Facharbeit mit der Zeit des Nationalsozialismus in Reken beschäftigt. 

 

Maria Veen. Wie nah Geschichte sein kann, zeigen derzeit zwei Schülerinnen des Gymnasiums Maria Veen. Mia Bokeloh und Julia Janke beschäftigen sich seit rund einem Jahr intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus in Reken. Angestoßen wurde das Projekt von den Geschichtslehrern Simon Krause und Maximilian Czmiel, die die beiden fragten, ob sie sich eine Mitarbeit an einem Stolperstein-Projekt vorstellen könnten. Nach kurzer Überlegung entschieden sich Mia und Julia dafür, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, auch vor dem Hintergrund aktueller politischer Entwicklungen. "Bei unseren Recherchen ist uns schnell klar geworden: Das Thema ist viel lokaler, als man denkt", erinnert sich Mia.

Im Laufe ihrer Arbeit rekonstruierten die 17-Jährigen die Schicksale von Theodor Dornhege, den Brüdern Max und Ernst Metzger sowie Friedrich Küppershaus. Unterstützung erhielten sie dabei nicht nur von ihren Lehrern, sondern auch von Ulrich Hengemühle vom Heimatverein Reken, der selbst schon Bücher über die Zeit des Nationalsozialismus in Reken schrieb. "Wir haben schnell gemerkt, wie tragisch Einzelschicksale sein können", berichtet Julia.

Mia Bokeloh hat sich im Rahmen ihrer verpflichtenden Facharbeit in der Q1 darüber hinaus auch dem Leben von Theodor Dornhege gewidmet. Dieser wuchs in Stadtlohn auf und ließ sich nach seiner Hochzeit mit seiner Frau in Maria Veen nieder. 1940 wurde er als Soldat eingezogen und musste seine Familie zurücklassen. Dabei sei wichtig zu betonen, dass Dornhege zwar Soldat im NS-Regime gewesen sei, sich jedoch klar gegen dieses positioniert habe, erzählt die Gymnasiastin. Vier Jahre später wurde er aufgrund einer politischen Äußerung verhaftet. Gegenüber einem vermeintlich engen Freund soll er gesagt haben: "Erst wenn die Schweine hängen, ist der Krieg vorbei." Dieser verriet ihn, woraufhin Dornhege während eines Erholungsurlaubs in Nordkirchen von der Gestapo festgenommen wurde. In der Folge wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Laut Aufzeichnungen des Internationalen Roten Kreuzes lebte er am 15. März 1945 noch, danach verliert sich aber seine Spur.

Im Zuge ihrer Recherchen zum Stolperstein-Projekt führten Mia und Julia auch ein Zeitzeugeninterview mit Dornheges Tochter. "Für sie würde es sehr viel bedeuten, wenn ihr Vater einen Stolperstein bekäme", berichtet Julia Janke. Geplant ist, den Stolperstein in der Nähe des Gymnasiums zu verlegen, damit Schülerinnen und Schüler selbst zur Pflege beitragen können, ergänzt Mia.

"Wir haben schnell gemerkt, wie tragisch Einzelschicksale sein können."

Julia Janke

Auch für die anderen Personen sollen Stolpersteine beantragt werden. Die Brüder Ernst und Max Metzger, die vier Konzentrationslager überlebten und deren Familien bereits durch Stolpersteine in Dorsten gewürdigt werden, sind in Groß Reken aufgewachsen. Sie wanderten nach dem Krieg in die USA aus. Ernst Metzger kehrte 1983 für einen kurzen Besuch nach Deutschland zurück. Friedrich Küppershaus war kein Jude. Dieser war erst 19 Jahre alt, als er zum Wehrdienst eingezogen werden sollte. Sein Versuch, sich der Wehrmacht zu entziehen, wurde ihm zum Verhängnis. Küppershaus wurde in ein Strafbataillon versetzt und in Rumänien getötet, hatte Hengemühle recherchiert.

Ziel der Schülerinnen ist es nun, die erarbeiteten Informationen an den Künstler Günther Demnig weiterzugeben, der seit 1996 Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Mia und Julia hoffen, dass auf diese Weise auch in Reken weitere Stolpersteine entstehen können. "Es muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, was damals passiert ist", betonen die beiden Schülerinnen abschließend.

 

Text und Fotos: Mia Grüter, Borkener Zeitung (Quelle)

 


zum News-Archiv