Bericht über meinen Auslandsaufenthalt in Bexhill-on-Sea
Jakob Heinen berichtet über sein Auslandshalbjahr.Von Ende August 2025 bis Ende Januar 2026 verbrachte ich ein halbes Jahr in England, genauer gesagt in Bexhill-on-Sea. Ziel meines Aufenthalts war es, meine Englischkenntnisse weiter zu verbessern, neue Erfahrungen zu sammeln und den Schulalltag in einem anderen Land kennenzulernen. Rückblickend war diese Zeit für mich eine sehr prägende Erfahrung, die mich sowohl sprachlich als auch persönlich deutlich weitergebracht hat. Bexhill-on-Sea liegt im Süden Englands in der Grafschaft East Sussex direkt am Meer. Die Stadt befindet sich zwischen Hastings und Eastbourne und ist etwa zwei Stunden von London entfernt.
Schule
Während meines Aufenthalts besuchte ich das Bexhill College. Mit rund 2000 Schülerinnen und Schülern ist es eine relativ große Schule mit einem sehr vielfältigen Angebot. Ich belegte die Fächer Biologie, Geschichte und Sports Coaching. Biologie und Geschichte waren A-Level-Fächer. Das bedeutet, dass sie intensiver unterrichtet werden und mehr Wochenstunden haben. Obwohl ich insgesamt nur drei Fächer hatte, war der Unterricht anspruchsvoll und konzentriert. Der Arbeitsaufwand war relativ hoch. Pro Woche hatte ich mindestens zwei Stunden Hausaufgaben pro Fach, dazu kamen regelmäßige Tests und schriftliche Arbeiten. Vom Niveau her war es ungefähr mit einem Leistungskurs in Deutschland vergleichbar, teilweise sogar etwas intensiver, da man sich stark auf wenige Fächer fokussiert.
Besonders interessant war für mich das Fach Sports Coaching, sowie der Geschichtsunterricht. Sports Coaching war eine Mischung aus Theorie und Praxis. Man lernte unter anderem, wie man Trainingseinheiten plant, Gruppen anleitet und Verantwortung als Trainer übernimmt. Am Ende konnte man ein Zertifikat erwerben, das mit einem Trainerschein vergleichbar ist. Geschichte war so weit Besonders, da ich zwei verschieden Geschichtskurse mit zwei verschiedenen Lehrern hatte. Der eine Kurs befasste sich mit der Geschichte von Apartheid in Südafrika und der andere mit der Geschichte der USA.
Ein weiterer Unterschied zum deutschen Schulsystem war die größere Eigenverantwortung. Von den Schülern wurde erwartet, dass sie selbstständig arbeiten und ihre Aufgaben organisieren. Gleichzeitig war das Verhältnis zu den Lehrkräften offen und unterstützend. Außerdem gab es an der Schule sogenannte „Enrichments". Das sind zusätzliche Angebote, die ähnlich wie AGs funktionieren, aber oft stärker organisiert sind. Gerade im Sportbereich gab es viele Möglichkeiten, sich zusätzlich zu engagieren. Ein typischer Schultag bei mir war zum Beispiel dienstags, dienstags habe ich um 7:30 Uhr mit Schwimmen als Enrichment begonnen, danach hatte ich Fußball und später jeweils eine Doppelstunde Sports Coaching und Geschichte.
Insgesamt war die Schulzeit intensiv, aber sehr bereichernd. Besonders im Unterricht habe ich gemerkt, wie sich mein Englisch im Laufe der Monate deutlich verbessert hat.
Freizeit
Da ich nur drei Fächer hatte, hatte ich viel Freizeit. Diese Zeit habe ich genutzt, um viel zu reisen und neue Orte kennenzulernen. Besonders häufig war ich in London, das ungefähr zwei Stunden mit dem Zug entfernt liegt. Mit einem vergünstigten Schülerticket konnte man relativ einfach dorthin fahren. Dort konnte man shoppen, Museen besuchen, durch die Stadt laufen oder einfach die Atmosphäre genießen. Außerdem war ich in Brighton, Eastbourne, Oxford und Cambridge. Besonders spannend waren die Besuche in Oxford und Cambridge, da man dort auch die bekannten Universitäten besichtigen konnte. Die Schule organisierte regelmäßig Ausflüge für internationale Schüler, sodass man immer wieder neue Orte entdecken konnte. Ein besonderes Highlight war der Besuch der Warner Bros. Studio Tour London – The Making of Harry Potter.
Eine weitere Besonderheit ist die Bonfire Night, ein traditionelles Fest das in fast jedem Ort ähnlich wie ein Schützenfest gefeiert und meistens im Herbst mit großen Feuern, Feuerwerken, Paraden und verkleideten Menschen stattfindet. Ich habe während meines Aufenthalts nicht in einer Gastfamilie gewohnt, sondern in einer WG mit neun anderen internationalen Schülern. Es gab eine erwachsene Betreuungsperson, die für uns zuständig war, aber insgesamt war das Leben dort deutlich freier und weniger streng als in einer Gastfamilie. Dadurch war man unabhängiger und musste aber vieles selbst organisieren. Ich hatte ein eigenes Zimmer mit eigenem Badezimmer. Das Zimmer war zwar eher klein, aber man gewöhnte sich schnell daran und hatte seinen eigenen Rückzugsort.
Im Alltag bedeutete das auch, dass ich selbst für mein Essen verantwortlich war. In der Schule habe ich mir mittags meistens etwas gekauft. Abends und am Wochenende habe ich selbst gekocht. Ein Catering-Paket wäre möglich gewesen, war aber relativ teuer, deshalb habe ich darauf verzichtet. Stattdessen bin ich einmal pro Woche einkaufen gegangen. Das hat, nach einigem üben gut funktioniert und war deutlich günstiger. Im Haus haben wir vor allem am Anfang und auch gegen Ende viel gemeinsam gemacht. Wir haben zusammen gekocht, Karten gespielt oder einfach lange zusammengesessen. Dadurch war es sehr einfach, neue Leute kennenzulernen. Generell fiel es mir sowohl in der Schule als auch in der WG leicht, Kontakte zu knüpfen.
Ich habe Freunde aus verschiedenen Ländern kennengelernt, zum Beispiel aus Mexiko, Italien, England, Tschechien oder der Schweiz. Dadurch habe ich nicht nur mein Englisch verbessert, sondern auch viele internationale Perspektiven kennengelernt. Obwohl ich vorher schon gut Englisch sprechen konnte, habe ich deutliche Fortschritte gemacht. Wenn man jeden Tag Englisch spricht, verbessert man sich automatisch. Besonders im freien Sprechen wurde ich deutlich sicherer.
Da Bexhill direkt am Meer liegt, habe ich auch viel Zeit am Strand verbracht. Das Meer direkt vor der Haustür zu haben, war etwas Besonderes und hat den Alltag dort sehr geprägt.









